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#NoNIPT – gegen die Kassenfinanzierung des pränatalen Bluttests

#NoNIPT – gegen die Kassenfinanzierung des pränatalen Bluttests

Schwanger und „guter Hoffnung“ zu sein, ist angesichts der Vorsorgeuntersuchungen schon schwierig. Der Fokus liegt auf den Werten von Maßen, Gewicht, Blutdruck & Co. und weniger auf dem Befinden. Zweifel, Sorge und Verunsicherung werden dabei unweigerlich genährt.

Das Schauen nach Normabweichungen bekam im Sommer 2012 eine neue Dimension.

Nicht-invasive Pränataltests (NIPT), Bluttests, die zum Beginn der Schwangerschaft embryonale Chromosomensatzvariationen bestimmen können, konfrontieren nicht nur werdende Eltern mit elementaren Fragen „Welche Untersuchungen, welches Wissen ist nötig?“, „Welches Leben ist lebenswert?“, „Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?“.

Der Gemeinsame Bundessausschuss hat im September 2019 beschlossen, dass der Bluttest auf die Trisomien 13, 18 und 21 demnächst, nach dem eine Versicherteninformation formuliert wurde, von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Ohne klare medizinische Indikation. Das kommt einer Empfehlung zum Testen gleich.

Mit NIPT wird ermittelt.

Dabei scheint die falsch-positiv Rate unbeachtet zu bleiben. Der Test gilt als sicher. Therapeutische Handlungsoptionen ergeben sich daraus nicht. Ein medizinischer Nachteil entsteht ebenfalls nicht. Bei einem positiven Ergebnis wird eine invasive Diagnostik empfohlen und die Frage nach der Fortführung der Schwangerschaft oder der Abbruch steht im Raum. Genau wie die Taschentücherbox. Eine Garantie auf ein „gesundes“ Baby ist ein negatives Testergebnis übrigens auch nicht.

Eine persönliche Erfahrung betrifft mehr als EINE Schwangere.

Ich werde emotional bei diesem Thema. Meine Tochter ist im Sommer 2012 geboren. Trotz und mit dem Ergebnis „Monosomie X“. Eine Spätabtreiung kam für mich nicht in Frage. Wäre aber eine Option gewesen.

Mit NIPT können also auch die Geschlechtschromosomen bzw. andere Chromosomalevarianten untersucht werden. Die Monosomie X aka das Ullrich-Turner-Syndrom ist selten. Und unbekannt.

Fatal finde ich, dass Informationen ein medizinisches und defizitäres und kein lebendiges Bild aufzeigen. Ich frage mich auch, wie wertfrei Beratungsangebote sein können… Dazu der gesellschaftliche Druck, die viel zu weite Entfernung von gelebter Inklusion… Wie soll schwanger und „guter Hoffnung“ so möglich sein? Was für Schritte ergeben sich aus dieser Situation heraus?

Die Kassenfinanzierung signalisiert, dass selektiert werden kann. Bei Unbekanntem wachsen die Zweifel. Bei all den Vorurteilen, die stetig reproduziert werden, und Behindernissen wachsen die Sorgen. Warum sich dann für dieses Leben entscheiden? Mal ehrlich, wie frei und selbstbestimmt kann so eine Entscheidung in einer Ausnahmesituation sein? Und hat dies wirklich etwas mit Selbstbestimmung von Schwangeren zu tun?

Der Weg für weitere Tests auf Anderes wird geebnet. Es kann immer mehr aussortiert werden. Der Druck, dass sich Eltern erklären oder rechtfertigen müssen, wenn sie ein „vermeindbares“ Kind bekommen haben, wird steigen. Was wäre daran inklusiv? Nicht die Notwendigkeit des Test wird hinterfragt werden sondern die Entscheidung der Eltern. Die Menschen, die bereits geboren wurden, gleich mit.

Wollen wir das wirklich?

Für mich wirft die Suche nach Chromosomensatzvariationen mehr Fragen auf als sie beantwortet und vorallem mehr als sie nützt. Im Privaten. Und für die Gesellschaft.

Auf der Seite des „Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien“ können Forderungen & Kritik sowie weitere Informationen nachgelesen werden.

Über ein dortiges Formular können auch Privatperson unterstützen und ihre Stimme einsetzen für #NoNipt so wie ich.

Was denkst du? Wollen wir das wirklich?

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