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Salondialog über die gute Hoffnung 

Salondialog über die gute Hoffnung 

Pränataldiagnostik – so lautete das Thema des dritten „Salon für inklusiven Dialog“. Nach dem Index für Inklusion und dem Transportieren der eigenen Geschichte im Besonderen via Internet war das Vorgeburtliche genau „meins“.
Am 20. September 2017 fand ich mich also wieder in der Hobelbar ein. Ich war neugierig.

Lebendig und authentisch sprachen Christine Schirmer von pro familia und Andrea von Eltern beraten Eltern miteinander. Vorwiegend berichtete Erstere. Von ihren eigenen Erfahrungen. Von den Erfahrungen als Beraterin und Mutter, die sie mit anderen Schwangeren und Familien gemacht hat. Von Statistiken. Von Entwicklungen.

Sie brennt für das, was sie tut. Sie sprach unglaublich leidenschaftlich und informiert. Dazu kamen Fragen und Statements von den Zuhörern.

Doch im Anschluss ging ich erst einmal nach Hause mit einem Gefühl von „das war jetzt nichts Neues“. Ich überlegte. Suchte nach dem Mehrwert für mich.

Ich ließ sacken. Schrieb erst von anderen Erlebnissen. Der moderierten Lesung zum Beispiel. Die Veranstaltung rückte weiter in Vergessenheit.

Dann traf ich eine schwangere Kollegin. Es ist ihr erstes Kind. Für sie tut sich eine unbekannte Welt an Untersuchungsmöglichkeiten, Begrifflichkeiten und Neuheiten auf. Wie groß, ist der Embryo wann? Welche Entwicklung macht er? Wie sieht er aus?

Und dann wurde mir klar, dass ich vielleicht keinen übermäßigen Wissenszuwachs habe, dass ich meine Erfahrungen gemacht und meine Meinung gebildet habe, aber für andere Frauen wird auf Anfang gestellt. Für sie sind die Gegebenheiten neu.

Bevor ich schwanger wurde, hatte ich mir vielleicht Gedanken über das Kinder-haben gemacht. Aber nicht über das Schwanger-sein. Und auch nicht über irgendwelche Tests.

Heute bewegt mich dieser fancy Bluttest, der Behinderungen verhindert  (verhindern kann), der ein falsches Signal setzt. Heute beschäftige ich mich mit dem ärztlichen Draufschauen. Heute empfinde ich die Pränataldiagnostik als Spiel mit Zahlen. Heute.

Weil ich vertrieben wurde aus dem Paradies der guten Hoffnung. Weil ich meine erste Schwangerschaft als zu technisch empfand. Weil ich beim zweiten Mal so viel glücklicher war mit dem „Nicht Wissen“.

Heute finde ich, dass wir als Gesellschaft über den Wertekonflikt diskutieren müssen, der durch Untersuchungen entsteht. Wir müssen uns fragen: Wann ist ein Zellhaufen ein menschliches Wesen? Und welchen Wert gestehen wir ihm zu? Welche Rolle spielt Behinderung in unserer Welt?

Meiner Meinung nach muss das neu definiert werden wegen der immer früheren Erkenntnisse.

Wie wertvoll ist eigentlich ein Menschenleben? Wo sind Hilfen? Wo Begleitung?

Pränataldiagnostik ist so viel mehr als Babykino und die Frage, ob es Junge oder Mädchen wird. Das weiß Frau beim ersten Kind in der Regel aber nicht. Warum eigentlich nicht?


InklusionSalondialogSchwangerschaft

Kommentare

  1. avatarmenschrechtliche Perspektive beim vierten Salon für inklusiven Dialogx-mal anders sein

    […] vom Verein „Eltern beraten Eltern„. Die anderen drei Themenabende (hier, hier und hier) waren ebenso bereichernd wie […]

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