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die ewig selben Fragen – auf dem Spielplatz

die ewig selben Fragen –  auf dem Spielplatz

Der Spielplatz hinter unserem Haus wird zwar seit 4 Jahren bebaut, aus Kostengründen eine Azubibaustelle, die nicht fertig wird, aber in einem vertretbaren Radius befinden sich wirklich schöne Ausgaben. Mit Drachen oder Piratenschiff.

Spielplätze sind toll. Orte für Kinder. Oasen zwischen Häusern. An manchen Tagen sollten sie jedoch gemieden werden. Völlig überlaufen. Mit der Gefahr in Gespräche verwickelt zu werden.

Erst am Donnerstag, dann am Wochenende, die ewig selben Fragen, die mich berühren, obwohl sie es wohl nicht sollten… Und warum eigentlich vornehmlich auf dem Spielplatz?

Meine Kinder sind grundsätzlich in dem Alter, dass sie sich selbstständig und ohne Begleitung bewegen und mich quasi auf einer Bank oder am Rand absetzen. Sie zeigen ab und zu etwas, wollen hin und wieder gesehen werden oder etwas trinken. Im Grund kann ich meine Füße aber im Sand vergraben, lesen, die Nase in die Sonne halten oder das Smartphone zücken. Oder eben plauschen. Mache ich auch. Manchmal.

Das Tochterkind ist gesprächig und offen für das Spielen mit fremden Kindern. Das führt nur allzu oft dazu, dass ich mit den dazugehörigen Eltern in Kontakt komme. Mein Bedarf dahingehend ist aber minimal.

Die wiederkehrenden und ewig selben Bemerkungen und Fragen kann ich nämlich nicht mehr hören. Rückversicherungen. Zur Einordnung. Sicher. Ohne böswillige Absicht. An guten Tagen stören sie mich so gar nicht. An anderen nerven sie. An wieder anderen machen sie mich traurig.

Ja, dass Tochterkind ist wirklich so alt, wie sie sagt. Ja, sie geht in die erste Klasse.

Sicher fabulieren Kinder auch mal. Spinnen Geschichten. Äußern Wunschdenken. Mir ist bewusst, dass die Altersangabe nebst Schulinfo nicht mit der Erscheinung zusammenpassen. Dennoch könnten einfache Nachfragen beim Tochterkind die Ungläubigkeit schnell bei Seite wischen. Sie ist auskunftsfreudig. Wäre also kein Problem.

Besonders die Leute, nicht nur auf dem Spielplatz, die sich dann, vorbeugen, näher heranrücken, und feststellen, dass sie aber klein sei, machen mich müde.

Wenn der Sohnemann dazustößt, drücke ich unweigerlich den Rücken durch. Was dann kommt, kann ich ohne Glaskugel vorraussagen.

Ich lächle und bestätige.

Ja, er ist ihr Bruder. Ja, er ist wirklich so alt, wie sie sagt. Ja, er ist größer als sie. Ja, er ist aber groß. Und sie klein.

Klar auch anderorts fallen Kommentare und kommen Fragen auf. Spielplätze jedoch scheinen eine besondere Wirkung zu haben. Immer wieder begegnent uns Ungläubigkeit. Diese gipfelt dann, wenn das Tochterkind kommt und meint: „Die Frau sagt, ich lüge.“.

Sie könne ihr Geburtsdatum nennen und die Leute können nachrechnen, sagte ich mal. „Lass sie reden.“, wäre eine Option. Einzelfälle. Ausnahmen. Mit Nichten. Es häuft sich.

Wo ich grade dabei bin, eine Frage, die alles in den Schatten stellt, egal wo sie gestellt wird, und trotz besseren Wissens feine Stiche in mein Mutterherz bedeutet, lautet:

Sind das Zwillinge?

Das Tochterkind klärt die Menschen bereitwillig auf, dass sie Geschwister sind. Mittlerweile unterbreche ich sie in ihrer „Aufklärungsarbeit“. Zu viel. Rechtfertigung ist nicht nötig. Ich wünsche mir ihre Gelassenheit. Sie scheinen die Ungläubigen nicht nachhaltig zu tangieren. Ich sollte meine Einstellung dazu ändern, solange es mich stört, ist es ein Problem, aber mit der Größe wird Können abgesprochen oder zugeschrieben, das mulmige Gefühl bleibt.

Die Ungläubigkeit in der Summe führt zu Erklärungen. Schon ganz automatisch. Manchmal sogar schon ungefragt vorneweg. Ist eh immer das selbe.

Am Ende ist der Spielplatz ein Mikrokosmos, der mir gesellschaftliches Denken und Kategorisieren zeigt. Vielleicht bereitet mir die Zukunftsaussicht Sorge. Wenn der Kosmos nicht mehr Mikro ist. Und die Kinder die ewig selben Fragen gestellt bekommen.

Was denkt ihr?

Stimmt, wenn es meine Tochter nicht gäbe, würde ich wahrscheinlich auch so reagieren. Aber macht es das besser? Oder ist es ein Grund mehr darüber nachzudenken.

Anne

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