Tür an Tür wohnen

„5 Minuten noch“ – ein Ausruf zwischen „Es ist Zeit zum Gehen“ und „dem Wunsch zu bleiben“… vermehrt und mit verschiedener Betonung begleitet er die Verabschiedung von meiner liebsten Freundin und ihren Kindern.
Im Hinausgehen sagt das Blumenkind, die Tochter meiner Freundin Annika: „Ich wünschte, wir würden nebenan wohnen.“
Sie hat es auf den Punkt gebracht. Wir Mütter denken: „Das wäre schön.“.
traumhaftes Tür an Tür – Utopie des Zusammenlebens
Der Wecker klingelt. Morgendlich zerknittert wanke ich in die Küche. Koche Kaffee. Zwei Tassen. Ich schlürfe über den Flur. Klopfe an der Nachbarwohnung. Annika öffnet. Ich habe die Schuhe des Blumenkindes dabei. Sie war am Abend zuvor in Socken über den Flur gehuscht, nachdem sie bei uns Abendbrot gegessen hatte.
Die Kinder schlafen noch. In 15 Minuten müssen wir sie wecken, damit alle rechtzeitig loskommen. Wir setzen uns trotzdem kurz zusammen. Quatschen. Das machen wir öfters. Ein entspannter Start in den Tag.
Es folgt das morgendliche Gewusel. Am Ende schnappt sich der Sohnemann seinen Roller, ruft mir ein Tschüssi zu und klingelt nebenan. Er will gemeinsam mit dem Glückchen, dem Sohn von Annika, zur inklusiven Kita gehen. Kein Problem. Sie kümmert sich um die beiden Jungen, die sich problemlos verstehen, wo sich bei anderen Menschen Ratlosigkeit und Unverständnis im Gesicht abzeichnet.
Die Mädchen schultern ihre Schultaschen. Ich begleite sie. Schlage später den Weg zur Arbeit ein.
Am Nachmittag auf dem Weg von der Kita nach Hause pirschen die Jungen an mir vorbei. Stehen neben den Briefkästen. Rufen „Buh“. Lachen. Ich nehme die Post. Annika ist mit ihrer ältesten Tochter unterwegs. Holt später die Mädchen ab. Bringt unsere Einkäufe mit. Die Jungen spielen. Ich nutze die Zeit für Hausarbeiten.
Annika und ich sprechen Termine ab. Die Kinderbetreuung bei Krankheit, Elternabenden, Therapien oder anderen Anlässen lässt sich wesentlich leichter organisieren. Am Wochenende planen wir einen gemeinsamen Ausflug. Bei Entscheidungen frage ich Annika nach ihrer Meinung. Der Austausch beruhigt mich.
„Pizza“ rufen die Kinder als es um das Abendessen ging. Wir schnippeln gemeinsam. Essen gemeinsam. Ignorieren die Mehlspur und Tomatensoßenspritzer. Genau wie die verschleppten Spielsachen.
Annika und ich sitzen am Abend bei ihr in der Küche. Reden. Hören Musik. Die Kinder haben alle einen Platz zum Schlafen gewählt. Die Älteste ist ausgegangen. Ich spühle die Tassen vom Morgen. Schlürfe später mit ihnen über den Flur.
Tür an Tür unterstützen wir uns gegenseitig. Wir leben miteinander. Nicht nur nebeneinander.
Fehlender bezahlbarer Wohnraum – ein Problem in meiner Lebensrealität
Ich sitze fest in meiner Mietwohnung. Fühle mich isoliert. Immer wieder schaue ich nach einer Wohnung für mich und die Kinder. Weniger Platz, schlechtere Umgebungsbedingungen (grade in Punkto Verkehrsanbindung) und Mieten, die ich mir sowieso nicht leisten kann, regelmäßig raufe ich mir die Haare während ich durch Wohnungsanzeigen scrolle. Es ist deprimierend.
Gibt es alternative Wohnmöglichkeiten?
Ich möchte Tür an Tür wohnen mit Menschen, dennen ich mich sehr verbunden fühle. Kurze Wege. Rückhalt. Jeder hat sein Reich. Spielpartner für die Kinder. Hilfen. Gemeinschaft.
Wohnungen nebeneinander bzw. im selben Haus mit Annika wohnen – das wäre ideal. Fantastisch. Die Vorstellung, dass wir uns zusammentun, gefällt ihr und mir. 2 Erwachsene, 4 Kinder und eine junge Frau aka die älteste fast erwachsene Tochter von Annika, die zusammenziehen. Die Miete teilen. Eine große Wohnung. Ein Haus. Gerne auch raus aus Berlin. Doch wohin? Wie bezahlen?
Welche Optionen, um eine passende und bezahlbare Form zu finden, gibt es?
Im Endeffekt saßen Annika und ich beim letzen Treffen beide Haare raufend da.
Habt ihr Ratschläge?
Anne

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