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Kindergartengespräche

Was hast du heute im Kindergarten gemacht? 
Nix!
Hast du vielleicht gespielt? 
Weiß nicht. 
Was gab es zum Mittag? 
Essen.
Hast du geschlafen? 
Ja. / Nein.
Jetzt könnte der Eindruck entstehen, dass mich primitive Sachen interessieren und meine Tochter mit ihren fast 4 Jahren nichts zu sagen hätte, aber so ist das ganz und gar nicht. Krümelie erzählt viel. Sehr viel. Ich bin neugierig und stelle anscheinend nur die falschen Fragen. 

Hand aufs Herz – Wenn das Kind freudig im Kindergartentreiben verschwindet und wir Eltern 8 Stunden auf Arbeit gehen, fragen wir uns am Ende des Tages: Was ist in meiner Abwesenheit passiert? 

„Wie war dein Tag?“ versteht mein Tochterkind zwar als Einladung zum Gespräch, welches ich gerne führe. Jedoch würde ich mich über „handfeste“ und „erwachsenengerechte“ Schilderungen freuen. 
Mich jedenfalls interessiert brennend, was meine Tochter so im Kindergarten erlebt. An manchen Tagen, wenn wir etwa verabredet sind oder ein Arzttermin ansteht, ist es auch wichtig für mich zu wissen, ob sie mittags geschlafen hat. Dann kann ich mich einstellen. Meist jedoch möchte ich einfach wissen, ob es ihr gut geht, sie Spaß hatte oder etwas geschafft hat während der Fremdbetreuung. 
Was mich beim Abholen dann tierisch nervt, sind wortkarge Erzieher*innen. Ist ab und zu eine Tagesanekdote wirklich zu viel verlangt? Klar finden sich im Gebäude Aushänge und ich kann allgemeine Aktionen nachlesen, aber ob meine Tochter dabei gelacht hat, können mir nur die Anwesenden sagen. 

Meist ist es doch so, dass Eltern beim Abholen von Erzieher*innen nur angesprochen werden, wenn sich die Kinder verletzt haben, einen Konflikt (wahlweise mit einem anderen Kind oder den Mitarbeitern) hatten oder aus Gründen neue Wechselwäsche brauchen. Manchmal geht es auch um Formalitäten. Ganz selten kam jemand auf mich zu, um mir von Erfolgserlebnissen oder vom Tagesgeschehen zu erzählen.

„Dann halt nachfragen“ könnte als Einwand angebracht werden. Das Phänomen dabei ist. Die Erzieher*innen antworten dann genauso wie das Kind daheim. Maximal die Frage nach dem Essen und Schlafen wird ausführlicher erläutert. 
Nun sind Pädagogen auch nur Menschen. Es gibt stressige Tage und unpassende Momente. Ich verstehe das. Wirklich. Ich stehe auch auf der anderen Seite. 

Aber Auskünfte über nasse Wäsche oder Flecken sind für mich nicht relevant. Die Spucke und Zeit könnte gespart werden. Wieviel das Kind gegessen hat, ist mir auch Wurst. Mein Kind hat immer, wirklich immer, hunger, wenn wir das Gebäude verlassen. Ich will auch nicht jeden Tag hören, dass mein Kind Regeln nicht eingehalten hat oder eben anders „auffällig“ geworden ist. Dann denke ich nämlich mein Kind ist ein „Störenfried“ und wird als „blöd“ wahrgenommen. Für „unangenehme“ Gespräche ist auch immer Zeit. Komisch, oder? 

Probleme sollen angesprochen werden, keine Frage. 
Vielleicht ist es ein gesellschaftliches Ding oder eine Typsache, aber bitte nicht so viel Engagement bei Negativem, Schwächen und der Kommunikation darüber an den Tag legen. 

Stattdessen mehr freundliche Worte aussprechen und ungefragte und individuelle Auskünfte übers Tagesgeschehen geben, mehr Tür- und Angel-Kindergartengespräche führen! 

Dann frage ich auch beim nächsten Mal nach…

Oder sag nix und wünsche einen angenehmen Feierabend. 

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