Kinderwunsch und Ullrich-Turner-Syndrom #1 Puppenmama
Ich war schwanger. Hochschwanger. Wir bereiteten uns also auf den Familienzuwachs vor. Die Wohnung wurde hier und da umgeräumt. Der Wickelplatz wanderte zum Beispiel ins Schlafzimmer. Der Kinderwagen bekam einen Babyaufsatz. Dafür konnte Krümelie dann auf einem Brett mitfahren. Wir durchsuchten Krümelies alte Kleidung, sahen uns Babyfotos an und sprachen über ihre Babyzeit. Die Vorstellung, dass sie mal ein so kleines Menschlein war, sorgte für Gelächter. Allgemein ist die Stimmung „Babyfreundlich“.
Krümelie beschäftigte sich mit dem Thema. In ihren Rollenspielen feierte sie Geburtstag. Ein Platz wurde dazu vorbereitet. Es gab Kerzen, Geschenke und Kuchen. Und es wurde ganz viel gesungen und sich gefreut.
Eine weiterer Ansatz der Auseinandersetzung mit den Geschehnissen zeigte sich, wenn sie sich um ihre Puppe kümmerte. Puppe Bara bekam an der Brust zutrinken und wurde für ein Bäuerchen über die Schulter gelegt. Sie wurde gewickelt, an- und ausgezogen, gestreichelt und getröstet. Auch ihre anderen Kuschelfreunde wurden umsorgt und bespielt. Krümelie ist eine liebevolle Puppenmama.
Doch, ob und wie sie mal eine „echte“ Mama werden wird, ist unklar. Für das hier und jetzt spielt das keine Rolle. Sie ist ja auch erst zweieinhalb Jahre. Wir werden ihr das Ullrich-Turner-Syndrom und mögliche Folgen erklären. Sie wird verstehen lernen mit den Jahren, dass sie nicht „einfach so“ Kinder bekommen wird. Es ist ein komplexes Thema mit vielen Variabeln, die beachtet werden müssen. Die Form des UTS, die körperlichen Vorraussetzungen, der „Zustand“ der Gebärmutter oder des Beckens, die innere Einstellung, die wünschenswerte Partnerschaft und auch finanzielle Möglichkeiten müssen zum Beispiel berücksichtigt werden.
Eizellenspenden sind heute schon eine Option. Wie sich die Medizin entwickelt, wissen wir nicht. Adoption, Pflegschaft oder ein kinderfreies Leben sind jedoch auch Möglichkeiten. Jede Frau und jede Partnerschaft findet eigene Antworten auf die Frage nach Kindern. Auch Krümelie wird ihren Weg finden.
Welchen Weg habt ihr gefunden? Wie seit ihr mit dem Thema „Kinderwunsch“ umgegangen? Was denkt ihr, wie werden eure Töchter das sehen?
Anne

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